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Buchbesprechung

Daniel Weber und Darja Henseler


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Greg Graffin
Anarchie und Evolution: Glaube und Wissenschaft in einer Welt ohne Gott.


Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Riva (13. Oktober 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868831584
ISBN-13: 978-3868831580
Preis: EUR 19,99





Daniel Chamovit
Was Pflanzen wissen. Wie sie sehen, riechen und sich erinnern.


Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (25. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446435018
ISBN-13: 978-3446435018
Preis: EUR 17,90



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Punkrock und Pflanzen, Intelligentes Gemüse?

Ein überforderter Punkrocker langweilt seine Leser zu Tode. Ein Professor aus Israel hingegen berichtet Erstaunliches über kluge Pflanzen.

Der Autor von Anarchie und Evolution, Greg Graffin, ist promovierter Evolutionsbiologe und lehrt an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA). Die Liebhaber ausgefeilter Drei-Akkord-Kompositionen dürften Graffin jedoch eher als Frontmann der Punkrockband Bad Religion kennen. Sein Buch handelt von seiner Combo, vom Glauben und von Wissenschaft in einer Welt ohne Gott. Graffin glaubt nicht an Gott, sondern an den Naturalismus – und diese Lebensanschauung will er seinen Lesern näher bringen. Dazu erzählt er natürlich vorzugsweise aus seinem Fachgebiet, der Evolutionsbiologie: Er erläutert deren Grundlagen und erklärt beispielsweise die Artbildung und den daraus entstandenen Artenreichtum.

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Alles schon mal irgendwo gehört

All das hat man so ähnlich schon mal gehört oder gelesen. Zum Beispiel im Bio-Grundstudium an der Uni Wuppertal. Graffins Geschreibsel über Evolution liest sich genau so: wie das Vorlesungsskript eines mittelmäßigen deutschen Professors. Zwar liefert er viele Einblicke ins Thema, doch unterhaltsam ist all dies keineswegs – fatal für ein populärwissenschaftliches Buch! Wie bei einer mittelmäßigen Vorlesung verspürte der Rezensent öfter den Drang, Papierflieger zu bauen und sie dem Autor ins Gesicht zu werfen. Die gefühlte Lesezeit war mindestens so lang wie das Perm (rund 48 Millionen Jahre). Aber während in dieser Zeit immerhin die ersten Reptilien auftraten, passiert in Graffins Anarchie und Evolution rein gar nichts. Um mit Homer J. Simpson zu sprechen: „Laaangweilig!“


Doktor Graffin bei der täglichen Arbeit. Foto: Bad Religion.com

Die einzige Ausnahme stellt Graffins Bericht über seinen Forschungsaufenthalt in Bolivien dar (Seite 160 ff). Dieser ist anschaulich und lebhaft erzählt. Die inhaltsleer-flachen Abschnitte über den Glauben sind hingegen wieder laaangweilig zu lesen und bleiben daher auch nicht im Gedächtnis hängen: Der Rezensent vermochte sich nur Zehntelsekunden nach der Lektüre der jeweiligen Seite partout nicht mehr an Graffins Argumentation zu erinnern.

Die Songtexte von Bad Religion, verfasst vom selben Urheber (nämlich Graffin), sind dagegen wahre Meisterwerke der anspruchsvollen Didaktik. Graffin hätte sein dröges Buch mit einer Bonus-CD versehen und mit kräftigen Gitarrenriffs unterlegen sollen, vielleicht wären seine Darlegungen dem Leser tiefer ins Gedächtnis gemeißelt worden. Langweiliger Höhepunkt sind die beiden letzten Kapitel, in denen Graffin vollkommen zusammenhanglos und belanglos über ökologische Verantwortung und Nachhaltigkeit sowie das Leben, das Universum und den ganzen Rest daherschwafelt.

Leider hat der Punkmusiker nur eine unzufriedenstellende Mischung aus konventioneller Populärwissenschaft und fader Autobiographie fabriziert. Zum Pogotanzen fühlte sich der Rezensent an keiner Stelle animiert.

Stairway to Blumentopf

Mal sehen, ob der israelische Botaniker Daniel Chamovitz das in Was Pflanzen wissen besser hinkriegt. Der Direktor des Manna Center for Plant Biosciences an der Universität von Tel Aviv hat ein Buch über die Sinneswahrnehmung von Pflanzen geschrieben. Gelesen hat man es rasch, und nicht etwa, weil es darüber so wenig zu berichten gäbe, sondern weil der Autor die wesentlichsten und interessantesten Aspek­te anekdotisch herausgreift. Er stellt Forschungsergebnisse von Darwin bis zur Gegenwart spannend und verständlich dar.

Gerade die „früheren“ Forscher zeigten bei ihren Experimenten viel Kreativität. Etwa indem sie die Auswirkungen von Musik auf Mimosen und Geranien untersuchten – mit Dauerbeschallung aus Fagott und Led Zeppelin II im Gewächshaus (ob auch Bad-Religion-Songs zum Einsatz kamen, wird nicht erwähnt).

Genau wie wir Menschen sind Pflanzen äußeren Umweltbedingungen ausgesetzt, und genau wie wir müssen sie adäquat darauf reagieren können. Dazu haben auch Pflanzen verschiedene Sinne entwickelt, die Parallelen zu den menschlichen Sinnen aufweisen. Jedoch warnt Chamovitz davor, das Verhalten von Pflanzen zu vermenschlichen. Damit distanziert er sich klar von einem anderen Werk, dem verschwurbelten Esoterik-Klassiker Das geheime Leben der Pflanzen (1973), der Parallelen zwischen Sinneswahrnehmungen von Menschen und Pflanzen beschreibt und Pflanzen als emotionale Lebewesen mit Seele und Charakter darstellt.

Pflanzliche Taubheits-Gene

Chamovitz dagegen bleibt real. Er beschreibt, wie Pflanzen auf welches Licht reagieren und wie auf Musik; welche Duftstoffe sie wahrnehmen und dass sie einen Jetlag bekommen können. Man erfährt, warum Pflanzen Gene besitzen, die bei uns mit Taubheit in Verbindung stehen, und dass sie zwar kein Gehirn, aber doch Proteine besitzen, die bei uns als Neurorezeptor fungieren.

Chamovitz‘ Stil ist elegant und verständlich. Schon das Vorwort zieht den Leser in seinen Bann. Und wie es sich gehört, ist an passender Stelle immer ein Verweis auf Referenzliteratur angegeben. So kann man sich bei Interesse tiefer mit den Experimenten und Forschungsergebnissen auseinandersetzen.




Letzte Änderungen: 12.02.2014


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