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Buchbesprechung

Winfried Köppelle


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Ingo Arndt:
Architektier – Baumeister der Natur (Texte: Jürgen Tautz).

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Knesebeck Verlag (23. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868735682
ISBN-13: 978-3868735680
Preis: 49,95 EUR

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Baukünstler

Es geht auch ohne Mathematik und Maschinen: Die Evolution brachte tierische Architekten hervor, die sich vor ihren menschlichen Kollegen nicht zu verstecken brauchen.

Der Eiffelturm, die Pyramiden, die Golden Gate-Brücke und das Opernhaus in Sydney: Weltberühmte, bewunderte Bauwerke, an denen dutzende von Bauingenieuren und Architekten oft jahrzehntelang geplant und gebaut haben. Dass es auch einfacher geht, ohne Großhirnrinde, Millionenetat und Langzeitprojektierung, zeigt ein simpler Spaziergang in den nächsten Wald. Die dort aus Erde und Tannennadeln errichteten Bauwerke sind im Vergleich zur Körpergröße ihrer Erbauer wahre Wolkenkratzer – bis über zwei Meter hoch und fünf Meter durchmessend, bevölkert von mehreren hunderttausend Einwohnern. Im Inneren liegt ein raffiniertes System aus Gängen und Räumen, Königinnenkammern und Pilzzucht-Anlagen verborgen.


Die rote Waldameise kann das 40-fache ihres eigenen Körpergewichts schleppen.
Foto: Ingo Arndt

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Rote Waldameisen (Formica rufa) konstruieren ihre Hügelnester sehr individuell – mal flach, mal hoch und spitz, je nachdem in welcher Gegend sie sich befinden und wie hoch dort die durchschnittliche Außentemperatur und Sonnenscheindauer sind: Bei uns, im eher kühlen Mitteleuropa, ragen die Bauten der wärmeliebenden Insekten deutlich höher nach oben als in südlicheren Gefilden. Und wenn ihnen im Frühjahr oder Herbst dennoch mal die Kieferzangen vor Kälte klappern, dann werfen sie ihre ausgeklügelte Aktivheizungsanlage an: Sie versammeln sich an der Oberfläche des Baus, tanken dort Sonnenwärme, und transportieren diese mitsamt ihren aufgewärmten Körpern ins Innere.

Der 1968 in Frankfurt am Main geborene Naturfotograf Ingo Arndt hat für seinen Bildband Architektier nicht nur Waldameisen abgelichtet. Auf 160 Seiten präsentiert er Lauben- und Webervögel, Köcherfliegenlarven, Zwergmäuse, Blattrollerkäfer, Bienen, Wespen und eine Reihe weiterer tierischer Baukünstler – und natürlich auch deren ausgeklügelte Bauwerke: von Zweigen herabhängende, aus Spinnweben, Samenwolle und Pflanzenfasern geflochtene Beutelnester; riesige Ebenen mit tausenden meterhoher Kompasstermiten-Türme; Biber­burgen, Holzfaserbehausungen, Anzuchtwaben aus Wachs, Fraßgespinste und Korallenriffe.

Raffinierte Konstruktionen

Arndt, der nahezu sein halbes bisheriges Leben auf Reportage-Reisen verbrachte, arbeitete in der Vergangenheit bereits für GEO, National Geographic und BBC Wildlife. Für sein Werk wurde er mit dem World-Press-Photo-Award, dem Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie und mehrmals mit dem Wildlife-Photographer-of-the-Year-Award ausgezeichnet. Der vorliegende Bildband ist sein dreizehntes Buch, dieses Mal zusammen mit dem Würzburger Verhaltensforscher und Bienenexperten Jürgen Tautz.

Tautz verfasste die mit mannigfachen biologischen Hintergrundinformationen gespickten Begleittexte. Aus ihnen erfahren wir beispielsweise, dass die abgeflachten Riesentürme der nordaustralischen Kompasstermiten in exakter Nord-Süd-Ausrichtung erbaut werden, um in Kombination mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem eine konstante Innentemperatur zu gewährleisten: Die Morgen- und Abendsonne wärmt die Breit­seite auf; die heiße Mittagssonne hingegen trifft lediglich auf die schmale Kante und zeigt kaum Wirkung. Oder dass Weber­ameisen-Arbeiterinnen ihre hängenden Blattnester in Kooperation mit den Larven (welche die Seidenfäden produzieren) in nur 24 Stunden anfertigen.

Der Begriff „Architektur“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Baukunst“ – mit anderen Worten: das planvolle Entwerfen, Gestalten und Konstruieren von Bauwerken. Der Plan der meisten in Architektier portraitierten Baumeister dürfte rein instinktgesteuert sein – und bringt doch geniale Bauwerke hervor, die ihren menschlichen Gegenstücken in punkto Leichtbau/Stabilität und Langlebigkeit oftmals sogar überlegen sind. Faszinierend!

Leser, die in den kommenden Monaten in die Nähe Frankfurts kommen, sollten unbedingt im Senckenberg-Naturmuseum vorbeischauen. Dort sind Ingo Arndts Bilder im Rahmen einer Fotoausstellung noch bis zum 11. Januar 2015 im Großformat zu bewundern. Allen anderen sei dieser opulente Bildband ans Herz gelegt.




Letzte Änderungen: 02.10.2014


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