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Buchbesprechung

Darja Henseler


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Peter Heinrich, Matthias Müller & Lutz Graeve (Hrsg.):
Löffler/Petrides – Biochemie und Pathobiochemie.

Gebundene Ausgabe: 1073 Seiten
Verlag: Springer; Auflage: 9., vollständig überarb. Aufl. 2014 (28. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3642179711
ISBN-13: 978-3642179716
Preis: 79,99 EUR

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Von Fachtermini erschlagen

Biochemie ist hochinteressant – aber eben nur, wenn sie auch geistvoll vermittelt wird.

Der Zeiger meiner Küchenwaage steht auf zweitausendsiebenhundert Gramm. Es ist das Gewicht eines mindergewichtigen Neugeborenen. Das Baby hat viele Eltern: 8 Frauen und 36 Männer – und 1.073 Seiten. Es ist die neue, laut Verlag vollständig überarbeitete, neunte Auflage des Lehrbuchklassikers „Löffler/Petrides“ - eines der vier ganz dicken Biochemie-Lehrbücher (die drei anderen sind der „Stryer“, der „Lehninger“ und der „Voet“). Der „Löffler/Petrides“ ist das einzige davon, das sich vorrangig an Mediziner richtet.


Beim Lesen mancher Lehrbücher fällt es schwer, die Begeisterung für das gewählte Studium am Leben zu erhalten.

Erschlagen und fasziniert

Ich bin gleichzeitig erschlagen und fasziniert. Dieses Buch scheint das gesamte bio­chemische Wissen, von absoluten Grundlagen bis zu komplexen Funktionsweisen von Organen, zu vereinen. Und das Lesen sollte sich lohnen, denn immerhin verspricht das Vorwort Medizinstudenten, durch Benutzung des Lehrbuchs den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung erfolgreich zu bestehen. Sämtliche Inhalte des aktuellen Gegenstandskatalogs des IMPP (Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen) decke es ebenfalls ab, schreiben sie. Eine Examenserfolgsgarantie! Toll. Allein deswegen sollte der Schmöker zum Pflichtprogramm künftiger Ärzte gehören.

Gleichzeitig richtet sich der „Löffler/Petrides“ aber auch an Biochemiker (logo!), Biologen, Ernährungswissenschaftler und Pharmakologen.

Zumindest das didaktisch durchdacht umgesetzte Layout erschlägt einen nicht: Jedes der 74 (ja: vierundsiebzig!) Kapitel enthält einen kurzen Einleitungsteil, eine Box mit den behandelten Schwerpunkten, den Text und entsprechende Abbildungen sowie (fast immer) Infos zur Pathobiochemie. Dazu gibt‘s farbig unterlegte Boxen mit Extra-Infos und eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Kapitels. Der Inhalt wird dadurch sehr übersichtlich vermittelt. Lobend zu erwähnen ist auch, dass jeweils nach einigen Unterkapiteln kurze Zusammenfassungen folgen. Eigentlich reicht es oftmals auch, nur die Zusammenfassungen der Kapitel und Unterkapitel zu lesen – denn der eigentlich Text liest sich sehr trocken. Nur eine Familienpackung schokolierter Kaffebohnen bewahrten die Rezensentin davor, über dem Werk einzuschlafen.

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Seltene erzählerische Höhenflüge

Gelegentlich rafft sich der eine oder andere Kapitelautor aber doch zu einem erzählerischen Höhenflug auf und verlässt die Abgründe des im Passivsatz dagebotenen Fachtermini-Geschwalls. So etwa wird im Abschnitt über Insulin der Fall eines Patienten geschildert, der im diabetischen Koma liegend ins Hospital eingeliefert wurde.

Mit seinen 110 Kilogramm Körpergewicht nicht gerade als vollschlank zu bezeichnen, sei der Mann sonst aber gesund gewesen. Nachdem bei ihm Diabetes mellitus (Typ 2) diagnostiziert und eine Insulintherapie verordnet worden war, habe sich sein Gesundheitszustand schnell gebessert. Das interessante jedoch ist, dass dieser Zuckerkranke nach einer Ernährungsberatung binnen weniger Wochen um immerhin sieben Kilogramm abspeckte – und plötzlich wieder normale Blutzuckerwerte zeigte, ohne dass weiter exogenes Insulin zugeführt werden musste.

Ein Beispiel, wie sehr exogene Faktoren wie Übergewicht den Stoffwechsel beeinflussen können. Vermehrte körperliche Bewegung und Gewichtsabnahme sollten demnach bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern das primäre therapeutische Ziel darstellen.

Anekdoten über Patienten, Wissenschaftler und Schlüsselexperimente können ungemein dabei mithelfen, den Lese- und Lernprozess zu erleichtern. Wenn sich also das Proopiocortin ans Corticotropin reiht und man vor lauter Peptidhormonen nicht mehr weiß, ob man Männlein oder Weiblein ist: Warum nicht eine nette, historische Begebenheit über den Mitentdecker des Insulins einfügen, so wie es in diesem Fall, leider ausnahmweise, gleich mehrmals gemacht wurde? Jenem Wissenschaftler, dem Kanadier Frederick Banting, ist es zu verdanken, dass Zuckerkranke recht schnell nach der Entdeckung des Insulins zu bezahlbarem Preis behandelt werden konnten. Banting und sein Mitarbeiter Charles Best (zu dem Zeitpunkt übrigens ein Student!) vergaben die Lizenz zur Herstellung des Insulins nämlich für den symbolischen Betrag von einem Dollar an alle Firmen, die sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards bei der Insulinherstellung verpflichteten.

Die Autoren des „Löffler/Petrides“ versuchen, möglichst viel Information möglichst komprimiert wiederzugeben. Dadurch wird man stellenweise von Fachbegriffen erschlagen; trotzdem geht es nicht allzusehr in die Tiefe. Seltene löbliche Ausnahmen, die die Rezensentin entdeckte, sind die Abschnitte über biochemische Reaktionen in Stoffwechselwegen sowie der erwähnte über das Insulin.

Als Gesamtwerk ist das Lehrbuch daher nicht überzeugend. Zudem wird die Pathobiochemie deutlich dünner abgehandelt als erwartet und erhofft. Medizinstudenten müssen wohl in den sauren Apfel beissen und mangels Alternativen durch dieses Buch ihren Fragenkatalog abdecken. Alle anderen sollten sich lieber gezielt Literatur zu jenen Themen suchen, die sie interessieren.

Wahrscheinlich waren es doch zu viele Eltern für ein Baby.




Letzte Änderungen: 02.10.2014


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