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Eile mit Weile

Forschen in Österreich
Ralf Schreck, Laborjournal 11/2019


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(11.11.2019) Was Wissenschaft und Forschung betrifft, gibt es in Österreich noch Luft nach oben. Welches sind hier die Stärken und Schwächen? Was macht der wissenschaftliche Nachwuchs? Folgt dieser immer noch den Spuren Arnie Schwarzeneggers, oder gibt es echte Karrierealternativen in der Heimat? Laborjournal zeigt österreichische Lösungen auf.

In Rankings wie dem Global Innovation Index reiht sich Österreich um die Position 20 ein. Im European Innovation Scoreboard belegt es immerhin Platz 9. Die Evaluierung der Forschungs-, Technologie- und Innovations- (FTI)-Strategie der Bundesregierung offenbarte jetzt, dass sich der Abstand zu den innovationsführenden Ländern seit 2009 nicht wesentlich verändert hat. Mit gewissem Neid schaut man hier seit jeher auf den Nachbarn Schweiz, der bei vergleichbarer Einwohnerzahl in einer anderen Liga spielt. Punkten können die Österreicher immerhin mit einer EU-Spitzenrate von 3,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts an Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) – also wenn keine absoluten, sondern relative Indikatoren angelegt werden.

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Kreative Spitzenleistungen sind in Österreich keineswegs neu. Foto: eugendorf.com

Die Ursachen hierfür sind vielfältig: So wird immer noch der Großteil öffentlicher Forschungsmittel – je nach Quelle bis zu 85 Prozent – nicht wettbewerblich vergeben. Der Anteil der Mittel für die Grundlagenforschung ist im Vergleich zur Schweiz mit etwa zwanzig Prozent relativ gering. Viel Geld fließt hingegen in die anwendungsorientierte beziehungsweise wirtschaftsnahe Forschung – zum Beispiel über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG (über 500 Millionen Euro pro Jahr). Mittels Forschungsprämie können sich Unternehmen 14 Prozent ihrer Forschungsausgaben zurückholen (über 600 Millionen Euro pro Jahr). Aber Geld allein schießt bekanntlich keine Tore.

Nur sieben der 22 staatlichen Universitäten Österreichs tauchen in den großen, weltweiten Rankings unter den Top 500 auf. Eine Top-100-Uni über alle Fachbereiche gibt es nicht. Einige Unis bestechen in Teildisziplinen – wie etwa im QS World University Ranking 2020 die Universität Wien mit Platz 30 in Arts & Humanities sowie Platz 95 bei den Life Sciences oder die TU Wien auf Position 76 in Computerwissenschaften. Im Leiden-Ranking sind in der Kategorie Top-10%-Publikationen immerhin 9, im SCImago-Institutions-Ranking sogar 33 österreichische Institutionen unter den Top 500 repräsentiert.

Bessere Platzierungen werden verhindert, da in kleineren Einheiten trotz Leuchttürmen oft keine kritische Masse zu einem Thema existiert. So ist das Vienna BioCenter mit 1.500 Wissenschaftlern ein Life-Science-Hotspot in Europa. Hier arbeiten 24 EMBO-Members, und es wurden bereits fünfzig Grants vom European Research Council (ERC) eingeworben. Publiziert und nach außen sichtbar wird man dann aber unter der eigenen Institution – wie etwa dem Gregor-Mendel-Institut oder den Max-Perutz-Labs.

Problem Brain Drain

Weitere Einblicke in die Forschungslandschaft ermöglichen der dreihundertseitige österreichische Forschungs- und Technologiebericht, der Bericht zur wissenschaftlich-technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs des Rates für Forschung und Technologieentwicklung sowie der OECD-Review 2018 zur Innovationspolitik Österreichs. Weltweit top sind der Eifer und Ideenreichtum, mit dem die Forschung hier dokumentiert wird.

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Anlässlich der Sechshundertjahr-Feier der Uni Wien im Jahr 1965 merkte Nobelpreisträger Max F. Perutz an: „Talentierte junge österreichische Wissenschaftler trifft man oft in Amerika. Sie verlassen ihre Heimat, weil sich dort zu wenig Gelegenheit für unabhängige Forschung bietet. Der wichtigste Schritt scheint mir daher eine Modernisierung des Universitätssystems, um jungen Forschern größere Unabhängigkeit zu sichern.“

Der Exodus der besten Köpfe begann kurz nach der Jahrhundertwende. Der erste österreichische Medizinnobelpreisträger Robert Bárány wie auch der Blutgruppen-Entdecker Karl Landsteiner reihen sich in eine lange Liste von Wissenschaftlern ein, denen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgrund jüdischer Herkunft oder politischer Gesinnung eine akademische Karriere verwehrt blieb. Unter den bisher 21 Österreich-stämmigen Nobelpreisträgern befinden sich zahlreiche Wissenschaftler, die bereits in jungem Alter vor dem Nationalsozialismus flohen oder den größten Teil ihrer Karriere im Ausland verbrachten – wie auch der bereits erwähnte Chemiker Max Perutz oder der Neurowissenschaftler Eric Kandel.

Trotz der Einführung eines Tenure Track an den Universitäten 2011 sind auch heute immer noch durchgängige Karriereperspektiven für den Nachwuchs Mangelware. Ob und wie der 1,2 Milliarden Euro Mittelaufwachs für die Jahre 2019 bis 2021 grundlegende Reformen im Universitätssystem katalysiert, bleibt abzuwarten.

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Gerade auch bei der Rekrutierung und Bindung renommierter Forscher aus dem Ausland können die Unis von den außeruniversitären Institutionen wie dem Institute of Science and Technology – Austria (IST Austria) oder dem Institut für Molekulare Pathologie (IMP) noch etwas lernen.

Der österreichische Genetiker Josef Penninger, der seit 2003 das Institut für Molekulare Biotechnologie IMBA leitete, ist einer der prominentesten Forscher, die Österreich jüngst den Rücken kehrten. Seit Ende 2018 ist er Direktor am Life Sciences Institute der University of British Columbia. Laut Zeitungsberichten war er erschöpft „vom ständigen Lobbyieren und Feilschen für mehr Mittel“ und beklagte neben dem zu großen wissenschaftspolitischen Fleckerlteppich insbesondere die Lippenbekenntnisse der heimischen Politik.

Die Studie „OECD Indicators of Talent Attractiveness“ mit Beteiligung der deutschen Bertelsmann-Stiftung nahm 35 Länder unter die Lupe und kam zu dem Schluss, dass Österreich für internationale Studierende (Platz 20) als auch für Arbeitsmigranten mit Masterabschluss (Platz 14) nur mäßig attraktiv ist. Für Deutsche ist dies laut der DAAD-Publikation „Wissenschaft weltoffen 2019“ offenbar ein geringeres Problem: Sie stellen unter den Ausländern in Österreich rund 20 Prozent der Studierenden, 44 Prozent der promovierten Wissenschaftler und sogar 72 Prozent der Professoren.

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Wenn‘s um mehr Geld für die Forschung geht, ist man sich in der Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen mal einig (v.li.n.re.): Thomas Henzinger (Institute of Science and Technology – Austria), Antonio Loprieno (Österreichischer Wissenschaftsrat), Sabine Seidler (Österreichische Universitätenkonferenz), Klement Tockner (Wissenschaftsfonds FWF). Foto: Johannes Zinner

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Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) fördert themenoffene Grundlagenforschung, analog der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Eine vergleichende Studie fand kürzlich heraus, dass die Förderung beim FWF einen hohen Prozentsatz an Einzelprojekten, kein Infrastrukturprogramm sowie einen eigenen Fördertopf für Open-Access-Publikationen aufweist (International differences in basic research grant funding – a systematic comparison, Janger et al. 2019). In bestimmten Maßnahmen gibt es Beschränkungen bei der Anzahl von Beantragungen unter Federführung ein und desselben Wissenschaftlers. Overhead-Pauschalen, wie zum Beispiel bei der DFG als 22-prozentiges Add-on auf die direkten Projektkosten üblich, werden nicht gezahlt.

Nach Selbstaussage ist der FWF im Ranking vergleichbarer Förderorganisation hinter der niederländischen NWO und dem Schweizer SNF auf Platz 3, wenn Zitationen von Publikationen aus geförderten Projekten der letzten zwanzig Jahre ausgewertet werden.

Spielgeld für Spitzenforscher

Das FWF-Förderportfolio umfasst rund zwanzig Maßnahmen. Im letzten Jahr wurden hier 684 Projekte mit einer Summe von 231 Millionen Euro bewilligt. Davon waren die Hälfte Einzelprojekte und ein Fünftel Verbundprojekte wie Spezialforschungsbereiche und Doktoratskollegs. Sechs Prozent gingen an Projekte von Wissenschaftlerinnen, knapp sechzig Prozent der Mittel endeten in Wien.

Durch laufende FWF-Projekte werden mehr als 4.100 Personen finanziert, darunter rund 2.000 Promovierende und 1.500 Postdocs. Das Budget von circa 250 Millionen Euro speist sich primär aus jährlichen Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) sowie zunächst befristet bis 2020 aus der Nationalstiftung NFTE mit Österreich-Fonds.

Der Wittgenstein-Preis und das START-Programm sind FWF-Aushängeschilder, durch welche die Sichtbarkeit und Akzeptanz der Forschung in der Alpenrepublik verbessert werden sollen.

Der Wittgenstein-Preis ist angelehnt an den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG und mit 1,5 Millionen Euro der höchstdotierte Forschungspreis Österreichs. Er wird jährlich durch den FWF ausgeschrieben und durch das Wissenschaftsministerium vergeben. Erhalten können den Preis international anerkannte Wissenschaftler, die seit mindestens einem Jahr in Österreich permanent tätig sind und die 60 Lenze bei Nominierung noch nicht überschritten haben. Eigenbewerbungen sind ausgeschlossen. Die Begutachtung erfolgt durch eine international besetzte Jury. Das Preisgeld kann für beliebige Forschungsaktivitäten über fünf Jahre verwendet werden.

Unter den Wittgenstein-Preisträgern waren bisher zahlreiche Forscher vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP), darunter Erwin Wagner (1996), Kim Nasmyth (1999) oder Jan-Michael Peters (2011), sowie vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), darunter Jürgen Knoblich (2009) oder Josef Penninger (2014). Die Erfolgschancen nach Nominierung liegen bei rund fünf Prozent. Unter den 38 bisherigen Preisträgern sind auch fünf Wissenschaftlerinnen wie die Pflanzengenetikerin Marjori Matzke (1997) oder die Biochemikerin Renée Schroeder (2003).

Der Aufbau einer eigenen Gruppe zur Qualifizierung auf akademische Führungspositionen wird seit 1996 durch das START-Programm unterstützt. Bei Antragstellung soll das Doktorat maximal acht Jahre zurückliegen. Voraussetzung sind ein exzellentes Projekt, ein Track Record nach internationalen Maßstäben, Auslandserfahrungen sowie erfolgreiche Drittmitteleinwerbung. Keine Antragstellung ist möglich, wenn bereits eine Förderung in mit START vergleichbaren Programmen erfolgt ist. Gleichzeitig verpflichtet sich jedoch jeder Antragstellende, ein inhaltsgleiches Projekt in der nächsten Ausschreibungsrunde des ERC einzureichen, was in vielen Ländern aufgrund „Doppelförderung“ untersagt ist.

Die START-Förderung erfolgt auf zunächst drei Jahre und kann um weitere drei Jahre verlängert werden. Insgesamt können so zwischen 0,8 und 1,2 Millionen Euro abgegriffen werden. Die Finanzierung der eigenen Stelle durch Selbstantrag ist mit einer Vergütung als Senior-Postdoc zu einem Satz von 74.380 Euro pro Jahr möglich. Die Antragsfrist für die diesjährige Ausschreibung endete am 20. September. Bei einer Bewilligungsquote von sieben Prozent sind die Erfolgsaussichten relativ gering, sodass hier jährlich nur plusminus sechs Förderungen ausgesprochen werden.

Kofferpacken für Postdocs

Das 1985 eingeführte Erwin-Schrödinger-Programm fördert Auslandsaufenthalte und eine sich anschließende Rückkehrphase. Voraussetzung sind ein abgeschlossenes Doktorat, mindestens zwei „international sichtbare“ Publikationen mit eigenständigem Beitrag sowie die Einladung der aufnehmenden Institution. Unterstützt werden die Auserwählten zunächst mit einem bis 24-monatigen Stipendium von bis zu 46.400 Euro pro Jahr je nach Aufenthaltsort. Die Rückkehrphase von bis zu zwölf Monaten wird unter anderem mit Personalmitteln von maximal 72.630 Euro und Sachmitteln bis zu 12.000 Euro pro Jahr versüßt. Anträge sind fortlaufend möglich. Förderentscheidungen werden durchschnittlich in vier Monaten getroffen. Im letzten Jahr waren vierzig Prozent der 132 Antragsteller erfolgreich. Bevorzugte Zielländer waren dabei die USA und Deutschland.

Das Lise-Meitner-Programm richtet sich an Postdocs aus dem Ausland beziehungsweise an Postdocs, die Österreich vor mindestens vier Jahren verlassen haben und nun erneut hier Fuß fassen möchten. Beantragt wird gemeinsam mit dem Mentor an der aufnehmenden Institution. Bis zu 24 Monate werden Personal- und Sachkosten entsprechend der Rückkehrphase im Schrödinger-Programm gefördert. Zusätzlich können Zuschüsse für Umsiedlung, Reisen und Kinderbetreuung sowie für Publikationen bis zu drei Jahre nach Projektende beantragt werden. 2018 setzten sich siebzig Anträge mit einer Erfolgsquote von rund dreißig Prozent durch. Hauptherkunftsländer erfolgreicher Antragsteller waren Deutschland und Italien.

Für mehr Chancengleichheit

Mit einem Frauenanteil in der Forschung von 34 Prozent hinkt Österreich laut Eurostat dem EU-Durchschnitt von 41 Prozent hinterher. Der FWF unterstützt seit den 1990er Jahren die Karriereentwicklung von Frauen. Jedoch sollen die Programme in ihrer jetzigen Form eingestellt werden (siehe „Frauenförderung – ein Auslaufmodell?“ in Der Standard vom 21.07.2019). Geplant sind neue Maßnahmen wie Early-Stage-Postdoc, in welches das Hertha-Firnberg- und das Lise-Meitner-Programm überführt werden. Das Elise-Richter-Programm soll hingegen zusammen mit dem START-Programm in ein Advanced-Stage-Postdoc-Programm übergehen. Die Umstrukturierung soll mit einem erhöhten Budget sowie einer „Quotenregelung mit Frauenfördergarantie“ einhergehen und erste Ausschreibungen 2020 erfolgen.

Das aktuelle Hertha-Firnberg-Programm zielt auf frühe Postdoc-Phase beziehungsweise Wiedereinstieg. Finanziert werden bis zu drei Jahre mit einem Salär von 67.670 Euro und Sachkosten bis 12.000 Euro per anno. Ein Auslandsaufenthalt ist dabei inklusive. Das derzeitige Elise-Richter-Programm soll Senior-Postdocs zur Bewerbung auf Professuren befähigen. Gefördert werden Forscherinnen mit mindestens zweijähriger Postdoc-Erfahrung und Projektvorarbeiten. Personalmittel von 74.380 Euro sowie Sachkosten von 15.000 Euro pro Jahr für bis zu 48 Monate gibt es inklusive. Zudem sind die Kosten einer nationalen Kooperation über das Formular „Nationale ForschungspartnerIn“ beantragbar, ebenso ein Zuschuss von 9.600 Euro pro Jahr und Kind unter drei Jahren.

In beiden Programmen gilt das Territorialitätsprinzip, welches besagt, dass der Lebensmittelpunkt bei Antragstellung für mindestens drei der letzten zehn Jahre in Österreich gelegen haben muss. Alternativ ist eine durchgängige wissenschaftliche Tätigkeit in den letzten zwei Jahren im Inland nachzuweisen. Bei zwei Einreichungsfristen pro Jahr ist die Bewilligungsquote rund dreißig Prozent. Die nächste Frist läuft bis zum 13. Dezember.

Mit dem Programm 2019-2021 hat der FWF kürzlich seine zukünftige Strategie vorgestellt. Zu deren Umsetzung bedarf es neben der generellen Steigerung der Förderbudgets der Einführung eines Projekt-Overheads sowie eines Forschungsfinanzierungsgesetzes, das mit einem jährlichen Zuwachs von sieben Prozent langfristige Planungssicherheit ermöglicht. Zusammen mit der Forderung nach einer österreichischen Exzellenzinitiative, nach mehr wettbewerblicher Forschung und nach einer nachhaltigen Unterstützung durch die Nationalstiftung NFTE, die bisher nur bis 2020 gesichert ist, formulierte die Allianz der österreichischen Wissenschaftsorganisationen im Vorfeld der diesjährigen Nationalratswahlen einen gemeinsamen Appell an die zukünftige Bundesregierung. Falls dieser dort Gehör finden sollte, plant der FWF unter anderem die strukturierte Doktorandenausbildung (Maßnahme DOC.FUNDS) voranzutreiben – ebenso wie die Fördermöglichkeiten für den Nachwuchs (inklusive der Maßnahmen Early und Advanced Postdoc, Zukunftskollegs und Forschungsgruppen) und die Gewinnung der besten Köpfe (Austria Research Chairs an Unis).

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) versteht sich als zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Förderung von Wissenschaft auf höchstem internationalen Niveau. Nachwuchs, Wissenschaftskommunikation und Politikberatung sind weitere Aufgaben. Die Akademie wurde 1847 als Gelehrtengesellschaft gegründet und verfügt heute über 770 gewählte Mitglieder sowie 1.800 Mitarbeiter. 2005 wurde die „Junge Akademie“ als „Sprachrohr des österreichischen wissenschaftlichen Nachwuchses“ etabliert. An der Spitze steht der Quantenphysiker Anton Zeilinger.

Das BMBWF trägt 120 Millionen Euro pro Jahr zur Finanzierung bei. Weitere 60 Millionen stehen über eingeworbene Drittmittel zur Verfügung. Wofür die ÖAW die Mittel ausgibt, ist auf Basis des Jahresberichts nicht nachvollziehbar. Die ÖAW betreibt unter anderem 28 Institute für Grundlagenforschung. In den Life Sciences sind dies das IMBA, das Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie und das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM). An ÖAW-Instituten arbeiten insgesamt tausend wissenschaftliche Mitarbeiter, darunter 130 Senior- und 64 Juniorgruppenleiter, knapp 300 Postdocs sowie 220 Promovierende.

Neben der Finanzierung langfristiger Akademieprogramme bietet die ÖAW einige kleinere Programme an, wie die Stadt-Wien-Förderung oder den ÖAW-Jubiläumsfonds der Stadt Wien. Erwähnenswert sind der Innovationsfonds zur Förderung von Projekten mit hohem Risiko (Volumen max. 300.000 Euro auf zwei Jahre) sowie die Incoming Fellowships für Wissenschaftler, die an ÖAW-Instituten Marie-Curie-Fellowships oder durch ERC Grants geförderte Projekte durchführen möchten (monatlich bis zu 2.700 Euro für maximal drei Monate plus Reisekosten). In der Vergangenheit wurde die Akademie jedoch wegen mangelnder Exzellenz und Transparenz sowie Klüngelei und unzureichender Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit kritisiert.

Bunter Stipendienstrauß

Zu Beginn dieses Jahres vergab die ÖAW 99 Stipendien in acht Programmen mit einer Gesamtsumme von 10,7 Millionen Euro (Bewilligungsquote: 27 Prozent). Die Programme sind meist kleinteilig mit geringer Stipendienzahl. Herauszuheben ist das Programm DOC, das eine dreijährige Promotion mit 38.000 Euro pro Jahr unterstützt. Voraussetzung ist eine Bewerbung innerhalb von zwei Jahren nach Diplom- oder Masterabschluss, ein Projektplan sowie eine Empfehlung des Promotionsbetreuers.

Bei Kindern unter sieben Jahren ist ein Teilzeitstipendium mit verlängerter Laufzeit möglich. Jährliche Kosten für Reisen zu Konferenzen bis zu 500 Euro sowie für Kinderbetreuung bis 1.900 Euro können geltend gemacht werden. Auch ein maximal einjähriger Auslandsaufenthalt ist finanzierbar. Der Stipendiat darf zudem bis zu zehn Wochenstunden Nebenbeschäftigungen nachgehen, wenn „diese die erfolgreiche Abfassung der Dissertation fördern“. Im Jahr 2018 wurden 74 von 310 Anträgen bewilligt.

Bekannt ist auch das Programm MAX KADE aus Mitteln der Max Kade Foundation New York, das jährlich bis zu acht Jahresstipendien für die USA mit je 49.000 Euro ermöglicht. Die Nachfrage ist bei einer Bewilligungsquote von 63 Prozent überschaubar.

Deutlich begehrter ist das Programm L’ORÉAL Österreich. Hiermit werden junge Wissenschaftlerinnen aus Medizin, Naturwissenschaften oder Mathematik gefördert, die am Beginn ihrer Karriere stehen oder den (Wieder-)Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn planen. Die Altersgrenze beträgt hierbei 30 für Prädocs und 35 Jahre für Postdocs. Mit bis zu einem Jahr fällt die Förderdauer allerdings relativ kurz aus, ebenso ist der Stipendiensatz mit 25.000 Euro eher unattraktiv. Nichtsdestotrotz bewarben sich im letzten Jahr 36 Wissenschaftlerinnen, von denen fünf gefördert wurden. Die nächste Einreichungsfrist ist der 1. März 2020.




IST Austria – Die Vorzeigeinstitution
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Das Institute of Science and Technology – Austria (IST Austria) wurde 2007 knapp dreißig Autominuten nördlich von Wien in Maria Gugging gegründet und 2009 eröffnet. Geformt nach internationalen Einrichtungen wie dem israelischen Weizmann-Institut oder der Rockefeller-Universität in New York soll hier internationale und interdisziplinäre Spitzenforschung in Physik, Mathematik, Informatik und Biowissenschaften betrieben werden.

Eine Vereinbarung zwischen der Republik Österreich und dem Land Niederösterreich sichert Finanzierung und Ausbau auf bis zu neunzig Forschungsgruppen mit tausend Wissenschaftlern im Jahr 2026. Der Bund steuert etwa 100 Millionen, Niederösterreich knapp 370 Millionen Euro pro Jahr bei. In den ersten zehn Jahren gingen über 11.000 Bewerbungen auf 54 Professuren ein, die nach fünf Jahren Probezeit entfristet werden können. Das IST Austria hat Promotionsrecht und betreibt ein PhD-Programm, das ISTScholar-Programm. Promovierende erhalten hier ein monatliches Bruttogehalt zwischen 2.200 und 2.675 Euro, das 14-mal im Jahr gezahlt wird. Nächster Bewerbungstermin hierfür ist der 8. Januar 2020.

Die erste Evaluierung durch ein Komitee unter Beteiligung der Nobelpreisträger David Baltimore und Erwin Neher bestätigte 2011, dass das IST auf dem richtigen Weg sei, neue Maßstäbe in Forschung und Lehre zu setzen. In einer zweiten Evaluierung 2015 wurde angemahnt, strikte Kriterien für die Entfristung anzulegen und verstärkt auch „Leuchttürme“ der Wissenschaft anzuziehen. Im aktuellen Nature-Index ist das IST Austria in der Kategorie „Top akademische Institutionen normalisiert“ hinter dem Cold Spring Harbor Laboratory und dem Weizmann-Institut auf Platz 3 angelangt. Hierbei wird ein Quotient aus der Anzahl von Publikationen in den 82 im Nature-Index berücksichtigten Journalen zur Anzahl aller Publikationen in den Naturwissenschaften pro Institution gebildet.





Last Changed: 10.11.2019


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